Ein Leben hinterm „Lonbudl“

Die „Luber-Rosa“ geht mit fast 85 in den Ruhestand - Aus für den letzten Tante-Emma-Laden


Die „Luber-Rosa“ in ihrem halb ausgeräumten Laden.
Hinter ihr die nostalgische Waage, die 65 Jahre lang grammgenau
ihren Dienst tat, ohne eine einzige Reparatur.
auf sie ist Rosa Mock besonders stolz.
Im Jahr 2000 wäre der nächste eichtermin gewesen. Den braucht´s jetzt nicht mehr.

Von Anni Zeitler

Die Stadt ist um eine ,,Institution“ ärmer. Exakt zu Beginn des Jahrs 2000 ließ die ,,Luber-Rosa“ ihre Rollos an Ladentür und Schaufenster letztmals herunter und so wird es auch in Zukunft bleiben. Kein nostalgisches Bimmeln der Türglocke mehr: Das Ende des letzten Tante-Emma-Ladens in der Stadt ist damit besiegelt. Die Stammkunden werden die ,,Luber-Rosa“, alias Rosa Mock, vermissen. Und auch die Geschäftsfrau gesteht, dass ihr die Leute schon fehlen werden.

Zwar nicht klammheimlich, dennoch leise und ohne viel Aufhebens, sowie es ihrer bescheidenen Lebensart entspricht, sperrte sie ihr traditionsreiches Lebensmittel- und Obstgeschäft zu. ,,Meinen treuen Kunden hob is freili gsagt und die andern dafoarhn‘s aa scha nu“, meinte sie treuherzig, als wir ihr am Dreikönigsfest einen Besuch abstatteten.

Ein mit Weihrauch gefülltes ,,Rauchmandl“ hatte sie bereitgestellt und wollte damit gerade durch die Räume gehen und - dem Brauch gemäß - anschließend diese noch mit Dreikönigswasser bespritzen und an die Türen die Initialen der Drei Könige Caspar+Melchior+Balthasar anschreiben. ,, Vom Keller bis aaf‘n Dochbun (Dachboden) geei i dou. A su hout‘s d‘ Mutter g‘macht und a su halt i‘s a weiter!

„ Niat bis zum Grab zoudou ...
Wir unterhielten uns ein bisschen, setzten sozusagen das Gespräch vom November 1998 fort, als wir Rosa Mocks heimeligen Laden und ihr schicksalhaftes Leben in eine Geschichte verpackten. Wie lange es den Tante-Emma-Laden hier noch geben werde, hatten wir sie damals gefragt.,,Su lang mi der Herrgott nu krustern lout“, war ihre Antwort gewesen. - Nun, ,,krustern“ kann sie noch recht gut. Was ist der Grund? ,, Im Aprül wir i 85, bis ins Grab wüll 1 grod aa niat zoudou. „ Eine plausible Erklärung.

Im Verlauf des weiteren Gesprächs klang aber so ,,zwischen den Zeilen“ auch durch, dass der harte Wettbewerbsdruck der Großmärkte mit beitrug, dass Rosa Mock ,,das Handtuch warf“. ,,Schaun S‘, durt wern beispielsweis‘ die Gurken für 99 Pfennig angebotn. Wia kann i daou nu mithaltn, wenn‘s ich für 1,30 Mark ei kafn mou?“ Dennoch: Die ,,Luber-Rosa“ ist nicht verbittert. Mit zwei Jahren bereits Vollwaise, nahmen sich Onkel und Tante Heinrich und Rosa Luber ihrer an. Zufrieden ist sie mit sich, ,,aa wenn‘d Feiiss (die Füße) nimmer su woll‘n“.

Wär ja auch ein Wunder, wär‘s nicht so. Von Kindesbeinen an sprichwörtlich auf den Beinen und zu arbeiten und, nach dem Tod der Pflegeeltern, 36 Jahre als selbständige Geschäftsfrau, ohne Ermüdungserscheinungen, hinterm ,,Lonbudl“ (Ladentheke) ! ,, Da Geist is nu dou und dou derma echt frouch sa. Alle Doch dank‘ i an Herrgott, wenn ma aafstöi ka, sein Geist nu hout und alles selbstständi machn ka „, ergänzte sie.

Bittschoii a Dankschoii an mei Kund‘n
Und wie geht es weiter? ,, Die erste Zeit geeiit ma bestimmt nix oo, dou hob i in mein Lodn nu gnouch z‘douan. Ower dann wüll i unter ‚d Leit, weil Leit bin i g‘wöhnt !

„ Isolieren will sich die immer noch hübsch und adrett aussehende Seniorin auf gar keinen Fall. ,,Bittschoii, schreibn S‘ doch aa a africhtig‘s Dankschoii an mei treue Kund‘n in Neia Doch“, meinte sie beim Abschied.

Ja die Kunden - sie werden für die Schließung wohl ein lachendes und ein weinendes Auge haben: Sie gönnen der ,, Luber-Rosa“ den wohlverdienten Ruhestand, vermissen aber auch den vertrauten Gang zum letzten Tante-Emma-Laden, der nunmehr Geschichte ist. Die,,Luber-Rosa“ hatte stets das knackigste Obst und die frischesten Fische, darauf schwörten sie !

 

 


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