Eröffnung einer königlich bayerischen Postexpedition
mit Poststall am 16. Oktober 1830 in Grafenwöhr

Die kgl. bayer. Postexpedition mit Poststall in Grafenwöhr war in unseren Raum der vierte Stützpunkt, in denen Brief- und Paketsendungen aufgegeben und abgeholt werden konnten.

Bereits 1615 wurde in Amberg eine Taxissche Posthalterei für „Reitende Posten“ errichtet, denn in diesem Jahr wurde ein Postkurs von Nürnberg über Hersbruck, Sulzbach, Amberg, Schwarzenfeld nach Rötz errichtet, wo dieser Anschluß an den bereits seit 1527 bestehenden Postkurs über Waldmünchen nach Prag fand (dies war der zweite Postkurs in der 510 jährigen Geschichte der europäischen Post überhaupt, denn 1490 begann die Kaiserliche Reichspost mit einen Reitpostkurs von Wien über Innsbruck, Augsburg, Speyer nach Brüssel, der von der Familie Taxis (ab 1647 durfte sich die Familie „Thurn und Taxis“ nennen) betrieben wurde.

1671 folgte ein Reitpostkurs von München über Regensburg, Schwandorf, Weiden, Mitterteich nach Eger. Ab 1707 folgte eine „Fahrende Post“. In Weiden wurde daher eine Thurn- und Taxissche Posthalterei errichtet.

1747 folgte eine Thurn- und Taxissche Posthalterei für „Reitende - und Fahrende Post“ in Kirchenthumbach, denn es wurde ein Postkurs von Regensburg über Amberg, Hahnbach, Kirchenthumbach, Creußen, Bayreuth, Münchberg nach Hof eingerichtet.Als Kaiserlicher Posthalter wurde Franz Kleindienst verpflichtet. Nach dessen Tod heiratete die Witwe Georg Nitsche, der am 12. Februar 1767 vom Fürsten Alexander von Thurn und Taxis verpflichtet wurde. Zum 1. Juli 1808 übernahm das Königreich Bayern die Post in eigener Regie und dies bedeutete das Ende der Thurn und Taxissche Post in Bayern. Damit wurden die Thurn und Taxisschen Posthaltereien in Weiden und Kirchenthumbach als königlich bayerische Postexpeditionen übernommen.

Lange Zeit, bis zur Eröffnung einer kgl. bay. Postexpedition in Kemnath und Grafenwöhr am 16. 10. 1830, waren Kirchenthumbach und Weiden die Postorte für die umliegenden Orte, hier die Post aufzugeben und abzuholen. In Weiden waren dies z.B. die Orte Freihung, Gmünd, Hütten, Kaltenbrunn, Mantel, Steinfels; In Kirchenthumbach z.B. Auerbach, Eschenbach, Frankenohe, Grafenwöhr, Haag, Hopfenohe, Kemnath, Leuzenhof, Pappenberg, Pressath, Speinshart. Das überbringen und abholen der Brief- und Paketsendungen erfolgte meistens durch Marktleute, teils auch durch Amtsboten. Das Kloster Speinshart hatte eigene Boten. Ebenfalls die Städte Auerbach und Kemnath.

Ausschlaggebend für die Eröffnung einer Postexpedition in Grafenwöhr war ein neuer Postkurs, der von Amberg nach Wunsiedel über Freihung, Grafenwöhr und Kemnath führte. Auf Dienstvertrag wurde die Brief- und Fahrpostexpedition dem Tafernwirt Florian Göppl verliehen. Das Postlokal befand sich im Gasthof des Postexpeditor (Gasthof zur Post - siehe Ausschnitt einer Ansichtskarte rechts).


Abbildung eines Postscheines der Briefpost vom 2. Juni 1847
mit Unterschrift des Postexpeditor Florian Göppl.

Laut Reg. Blatt f.d. Königr. Bayern Nr. 28 vom 17.5.1844 Seite 541 wurde der Posthalter und Tafernwirt Florian Göppl in den Landrat (jetzt vergleichbar mit Bezirksrat) der Oberpfalz und Regensburg gewählt. Vom 16.10.1830 bis 30.6.1834 war Grafenwöhr dem Ober Post-Amt Regensburg unterstellt. Bei Neueinteilung ab 1.7.1834 kam Grafenwöhr zum OPA Nürnberg.

Nun die Geburtsurkunde (im Originaltext): Königl. Bayer. Intelligenzblatt für den Regenkreis vom 29.9.1830

933, pr. den 24. Sept. 1830, Ad. Num. 19948 Num. Exp. 20702



 

 


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